Was ist Beth Shalom?
In der Liberalen
jüdischen Gemeinde München Beth Shalom (Haus des Friedens) haben sich
Jüdinnen und Juden zusammengefunden, um gemeinschaftlich ein jüdisches
religiöses Leben in der progressiven Tradition zu führen.
Die Gemeinde
hat eine eigene Synagoge und hält regelmäßig familienfreundliche
Gottesdienste in Hebräisch, Deutsch und teilweise in Englisch, an
denen Frauen und Männer gleichberechtigt teilnehmen. Beth Shalom erteilt
staatlich anerkannten Religionsunterricht und bietet
Bildungsveranstaltungen für Erwachsene an. Dabei werden der jüdische
Glaube und die Gebote im Geist des liberalen Judentums vermittelt, wobei
der Respekt gegenüber anderen Strömungen innerhalb des Judentums sowie
gegenüber Menschen, die anderen Religionen oder Ethnien angehören,
gepflegt wird.
Den sozialen Kontakten der Mitglieder und Interessenten
dient ein monatlicher „Rabbinertisch“. Zur Information von
Mitgliedern und Interessenten erscheint regelmäßig ein Rundbrief.
Unter der Aufsicht von Beth Shalom steht der Neue Jüdische Friedhof
im Waldfriedhof München. Hauptamtlicher Gemeinderabbiner auf
Teilzeitbasis war lange Zeit Rabbiner Walter Rothschild, Berlin, der aus
England stammt. Oberrabbiner ist der in Augsburg geborenen
Senior
Rabbi Prof. Dr. Walter Jacob, Pittsburgh. Seit November 2006
amtiert Rabbiner Dr. Tom Kucera
als Gemeinderabbiner.
Beth Shalom entstand aus einer
Gruppe überwiegend amerikanischer jüdischer Familien, die 1990 in München
begonnen haben, für ihre Kinder Religionsunterricht und jüdische Gottesdienste
nach liberaler Ausrichtung zu organisieren. Im März 1995 wurde die Gemeinde als
eingetragener und gemeinnütziger Verein gegründet. Sie gehört der „World
Union for Progressive Judaism“ an, die
als weltweit größte jüdische religiöse Organisation in fast 40 Ländern Gemeinden
mit etwa 1,5 Millionen Mitglieder hat. Beth Shalom ist außerdem Mitglied der
1997 gegründeten „Union
progressiver Juden in Deutschland“ und
ist den „Reform
Synagogues of Great Britain“ (RSGB)
assoziiert.
Die Geschichte eines Vorhangs |

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Ehrenmitglieder der Gemeinde sind
der Religionsphilosoph Schalom Ben-Chorin s.A., Jerusalem, der frühere
Präsident der Union of American Hebrew Congregations Rabbiner Alexander
Schindler s.A., New York, die beide aus München stammen, sowie der in
Leipzig geborene Organist und Komponist Professor Dr. Herman Berlinski
s.A, der Musikalischer Berater der Gemeinde war.
Moadim leSimchah |

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Mitglied
von Beth Shalom können alle Jüdinnen und Juden werden. In Übereinstimmung mit
der jüdischen Tradition betrachten wir diejenigen als Juden, die von einer
jüdischen Mutter abstammen oder vor einem Rabbinatsgericht (Bet Din) zum
Judentum übergetreten sind. Dies kontrolliert der Europäische Bet Din der World
Union for Progressive Judaism in London, an dem auch die in Deutschland tätigen
liberalen Rabbiner mitwirken.
Diejenigen,
die einen jüdischen Vater, aber keine jüdische Mutter haben, ermutigen wir,
Fördermitglied unserer Gemeinde zu werden. Vollmitglied können diese Menschen
aber erst nach einer Zeit des Lernens durch einen Übertritt (Giur) vor dem Bet
Din werden. Beth Shalom bietet die Fördermitgliedschaft außerdem vor allem für
nicht jüdische Familienangehörige und für Personen an, die sich auf den
Übertritt zum Judentum vorbereiten. Fördermitglieder verfügen jedoch nicht über
das aktive und passive Wahlrecht in der Gemeinde.
veOrekh Jemenu |

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Fördermitglieder ermutigen wir, an allen Aktivitäten der Gemeinde teilzunehmen,
was auch das Gebet einschließt. Beim Gebet respektieren wir ihren Willen, in
unserer Nähe zu sein, ohne ihre religiöse Identität aufzugeben. Daher werden sie
nicht zur Tora aufgerufen oder mit anderen Funktionen betraut, die sie als Teil
des jüdischen Volkes identifizieren würden.
Kinder mit
einem nichtjüdischen Elternteil können am Religionsunterricht teilnehmen, sofern
beide Eltern damit einverstanden sind. Kinder mit einer nichtjüdischen Mutter
müssen vor ihrer Bar- oder Bat-Mizwa einen Übertritt mit Beschneidung (für
Knaben) und Mikwe (für Knaben und Mädchen) vollziehen. Der nichtjüdische
Elternteil muss sein Engagement bekunden, sein Kind jüdisch zu erziehen.
Das liberale
Judentum ist zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland entstanden und
bildete bis zur Shoa die Mehrheit in den Einheitsgemeinden. Seit ihrer Gründung
hat die liberale Bewegung die Gleichheit aller Menschen und die Pflicht zur
sozialen Gerechtigkeit betont, die aus der Tora und aus den Visionen der
jüdischen Propheten hervorgehen. In der jüdisch-liberalen religiösen Lebensweise
haben die ethischen Werte bis heute den Vorrang vor rituellen Geboten. Aber auch
diese Gebote sind wichtig, um eine Lebensweise zu schaffen, die den Rahmen der
Familie, der Gemeinde und der Schicksalsgemeinschaft bewahrt.
Die Tora (Lehre) ist die Grundlage unseres
Glaubens. Während aber das orthodoxe Judentum glaubt, jedes Wort der Tora sei
von Gott an Moses gesprochen und dann weiter überliefert worden (wörtliche
Offenbarung), glauben wir an die göttliche Inspiration und daran, dass die
gesamte jüdische Zivilisation jeweils durch ihre Zeit und ihren Ort geprägt
wurde. Sie hat sich im Verlauf der Jahrhunderte, ja seit den viertausend Jahren
ihres Bestehens weiter entwickelt. Wir glauben also an eine inspirierte
Offenbarung.
Auf welche Grundsätze berufen
wir uns?
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Auf die
Lehre Israels über die Generationen: Vom Auftreten Abrahams, des Vaters des
Monotheismus, bis zu den jüdischen Lebensformen unserer Tage, in allen ihren
Schattierungen, verläuft ein kontinuierlicher Prozess. Daher sprechen wir im
Segensspruch über die Tora: „Gepriesen seist du, Ewiger, der die Tora gibt.“
Wir verwenden dabei die Form der Gegenwart und nicht diejenige der
Vergangenheit.
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Auf den
Gott, den Schöpfer, der das Universum und die Ethik geschaffen hat.
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Auf die
Gleichheit der Geschlechter. „Männlich und weibliches schuf er sie“, daher der
Grundsatz der Gleichberechtigung im Gemeindeleben, sei es im
gesellschaftlichen oder im rituellen Rahmen. Frauen werden zur Tora
aufgerufen, zum Minjan mitgezählt, rezitieren das Kaddisch in der Gemeinde,
legen T’fillin, blasen das Schofar, sind Mitglieder in allen Gremien der
Gemeinde und werden als Zeugen zugelassen.
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Das Gebetbuch war seit jeher nicht nur eine
Sammlung von an Gott gerichteten Bitt- und Dankgebeten, sondern auch ein
Dokument, das unseren Glauben wiedergibt. Unser Gebetbuch beruht grundsätzlich
auf dem traditionellen Siddur, enthält aber im Vergleich dazu einige
Veränderungen, insbesondere in folgen Bereichen:
o Die Gleichberechtigung der Geschlechter wirkt sich auf unser
Gebet aus. Wir sprechen daher nicht: „Gepriesen seist du, Ewiger, unser Gott,
König der Welt, der mich nicht als Frau geschaffen hat,“ sondern: „der mich in
seinem Ebenbild geschaffen hat.“
o Die Länge des Gottesdienstes: Um die
Ernsthaftigkeit des Gottesdienstes zu bewahren, haben wir seine Dauer
eingeschränkt. Wir vermeiden Wiederholungen wie z.B. bei der Amida.
o Die Aufrichtigkeit des Ausdruck: Wir bemühen
uns, die Gebete zu sprechen, mit denen wir uns ohne gesuchte Erklärung
identifizieren können. Daher beten wir nicht für den Wiederaufbau des Tempels in
Jerusalem und die Wiederaufnahme des Opferdienstes. Wir vermeiden jede
Personifizierung und beten daher nicht für das Kommen eines von David
abstammenden Messias, sondern für ein messianisches Zeitalter oder für die
Verbesserung der Welt. Die beiden zentralen Ereignisse in der modernen
Geschichte des jüdischen Volkes, die Shoa und die Gründing des Staates Israel,
haben in unsere Gebete Eingang gefunden. Uns leitet der Charakter des Staates
Israels, wie er in der Unabhängigkeitserklärung am 14. Mai 1948 formuliert ist:
„Der Staat wird auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Vision der
Propheten Israels gestützt sein. Er wird allen seinen Bürgern ohne Unterschied
von Religion, Rasse und Geschlecht Gleichberechtigung verbürgen“.
Die
Gemeinde Beth Shalom München basiert auf der jüdischen Tradition und entwickelt
sich im Geist des liberalen Judentums. Sie gibt allen bewussten Jüdinnen und
Juden die Gelegenheit, ihr jüdisches Leben nach ihrem Verständnis und Gewissen
zu führen, unter Wahrung von Solidarität und gegenseitigen Respekt. Wir
vertreten die Vielfalt der Lebensweisen.
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