Kabbalat - Shabbat Abend-Gottesdienst am 14.05.2010:
Ansprache des 1. Vorsitzenden Thomas M. Y. Dahmen anlässlich des 2. Ökumenischen Kirchentages

München, 16.05.2010, Pressemitteilung der Liberalen Jüdischen Gemeinde München Beth Shalom e. V.

Sehr verehrte Gäste des Ökumenischen Kirchentages hier in München,

mein Name ist Thomas Dahmen und ich habe als 1. Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde „Beth Shalom“ heute Abend die Ehre, Sie anlässlich unseres Kabbalat Shabbat Gottesdienst ganz herzlich begrüßen zu dürfen.

900 Menschen haben sich heute Abend hier versammelt. 900 Menschen – und viele von Ihnen wussten bis letzten Mittwoch noch gar nicht, dass es in München ein liberales jüdisches Leben gibt. Auf dem Stand unsere Gemeinde am Abend der Begegnung haben mein Vorstandskollege Michael Petery und ich viel Erstaunen erlebt, viel Interesse und viel Sympathie! Das hat uns sehr gefreut, und noch mehr freut es uns, dass Sie alle heute den Weg zu diesem Gottesdienst gefunden haben.

Beth Schalom in München ist eine von mittlerweile 21 liberalen jüdischen Gemeinden in Deutschland. Unsere Gemeinde ist in der Union der Progressiven Juden in Deutschland organisiert, die gleichzeitig Mitglied der World Union of Progressive Judaism ist. Das Reformjudentum ist übrigens weltweit die führende Religionsrichtung innerhalb des Judentums.

Seit inzwischen mehr als 15 Jahren knüpfen wir auch in München an die liberale Tradition des deutschen Judentums an und haben in dieser Zeit hier einen festen Platz und eine „Heimat“ gefunden - auch in der Münchner Stadtgesellschaft.

Wir erhalten große Unterstützung aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens in der Landeshauptstadt und darüber hinaus. Und auch wenn wir im Moment in München nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, z.B. mit einer Synagoge, so werden wir doch als ein unverzichtbarer „Eckstein“ jüdischen Lebens in München wahrgenommen. Wir freuen uns über das Vertrauen, das uns damit entgegengebracht wird. Deshalb wollen und werden wir auch weiterhin dafür Sorge tragen,  Bestandteil einer pluralen religiösen und gesellschaftlichen Stadtgesellschaft zu sein.

Mit derzeit ca. 300 Mitgliedern ist Beth Shalom zahlenmäßig noch relativ klein. Aber was heißt schon „klein“ im Bezug auf jüdische Gemeinden in Deutschland gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. Aber unser Gemeindeleben blüht und gedeiht und ist eine Heimat für viele und offen für alle. Eine Heimat mit einer Fülle von Aktivitäten und Angeboten – übrigens nicht nur für unsere Gemeindemitglieder:

•          Wir sind eine religiöse Gemeinschaft, die Gottesdienste abhält

•          Wir betreiben Sozialarbeit Jugendarbeit und Seniorenarbeit

•          Wir erteilen Religionsunterricht

•          Wir feiern jüdische Feste im Jahreszyklus

•          und wir sind, last but not least, kulturell und hier vor allem im christlich-jüdischen-islamischen Dialog unterwegs.

Eine so vielfältige Heimat braucht Raum. Mehr Raum als uns jetzt zur Verfügung steht, nämlich grade mal 250 qm in einem Bürogebäude in München.

Aus dieser Not heraus haben wir ein ehrgeiziges, ein hoffnungsvolles, ein großes Projekt entwickelt: den Bau einer eigenen Synagoge mit Gemeindezentrum.

Mit Freude haben wir erfahren dürfen, dass dieser Plan, der die Zukunft von liberalen Juden in den Blick nimmt, nicht nur die Herzen von progressiven Juden bewegt; auch von nichtjüdischer Seite ist unser Projekt sehr positiv aufgenommen worden. So haben uns die Unterstützung der christlichen Mehrheitsgesellschaft, von Land und Kommune gezeigt, dass wir hier in München willkommen sind. Und nun nimmt dieser Plan Formen an, nicht nur in den  Herzen, sondern auch in den Köpfen der Menschen in Politik und Gesellschaft.

Es ist uns gelungen, den New Yorker Architekten Daniel Libeskind für den Neubau unseres Liberalen Jüdischen Gemeindezentrums mit Synagoge in München zu gewinnen. Auch für den Stararchitekten mit Weltruf ist es eine Herzensangelegenheit, liberalem jüdischen Leben zu Raum – und damit zu Lebensraum-  zu verhelfen.

In einem Interview sagte Libeskind dazu:

„München ist eine historisch bedeutsame, inspirierende Stadt. Sie war zugleich auch "Hauptstadt der Bewegung": der Holocaust hat hier 1938 begonnen. Was das jüdische Leben angeht: Münchens ehemalige Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße war liberal. Insofern ist es schon etwas Besonderes, hier eine liberale Synagoge zu errichten. Wir leben in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft und das sollten Gebäude auch widerspiegeln. Es wäre sehr gesund, wenn die Stadt und die Gesellschaft mehr als nur eine einzige Vorstellung davon bekäme, was Jüdisch sein bedeutet.“

Meine sehr verehrten Damen und Herren, an dieser Stelle möchte ich das Motto des Kirchentages aufgreifen. „Damit ihr Hoffnung habt“. Dieses Motto beflügelt auch unseren Traum, liberalem jüdischem Leben in Deutschland und in München wieder einen angemessenen Platz zu geben.

Damit das gelingt, brauchen wir Unterstützung. Moralische Unterstützung bei der Verwirklichung dieses Traumes. In einem unserer Gebete heißt es, dass die „Anbetung des Geldes von der Erde leider noch nicht verschwunden ist“. Deshalb  brauchen wir auch materielle Hilfen,  um die finanziellen Mittel für den Neubau aus der Gesellschaft heraus aufzubringen. Hier sind alle gesellschaftlichen Gruppen in dieser Stadt und in diesem Land gefragt. Und auch Sie ganz persönlich.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir die Verantwortung für die Realisierung dieses Projekts auf viele Schultern der Menschen verteilen könnten. Deshalb bitte ich Sie herzlich:

Nehmen Sie die Botschaft von unserem Traum mit nach Hause! Erzählen Sie in Ihren Familien und bei Ihren Freunden davon und in Ihren Heimatgemeinden. Stützen und unterstützen Sie die Zukunft des liberalen Judentums in München, und tragen Sie dazu bei, ihm nicht nur eine Heimat, sondern ein Haus zu geben, eine eigenständigen liberalen Synagoge in München. Haben Sie an unserer Hoffnung teil!

Lassen Sie mich an dieser Stelle all den Menschen danken, die zum Gelingen dieses Gottesdienstes und zu den vielen anderen Aktivitäten aus Anlass dieses Ökumenischen Kirchentages beigetragen haben.

•          Ich danke Rabbiner Tovja Ben Chorin für seine Unterstützung unserer G’ttesdienste während des ÖKT. Rabbiner Ben Chorin wird Morgen zu uns im Rahmen des Morgeng’ttesdienstes sprechen.

•          Ein Dankeschön Rabbiner Prof. Walter Homolka, Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, für seine ansprechenden Worte.

•          Ich danke herzlich der Kantorin Mimi Scheffer, die uns durch den Kabbalat Shabbat auf eine künstlerisch und spirituelle Weise begleitet hat.

•          Ein großes Dankeschön dem Gemeindechor von „Beth Shalom“, der zwischen seinem Auftritt in Amsterdam und den nächsten anstehenden „Hohen Feiertagen“ weitere Chorproben für den heutigen Abend auf sich genommen hat.

•          Vielen Dank der Chorleiterin  Beth Gahbler  für ihre unermüdliche und motivierende Arbeit für die synagogale Musik und ihr Engagement, nicht nur für diesen Abendg’ttesdienst, sondern auch für die Organisation des Konzertes am Donnerstag mit Kantorin Mimi Scheffer.

•          Ich danke der Organisatorin Frau Jauch und dem Orgelbaumeister Schmidt für die Ausleihe der Orgel. 

•          Danke Frau Miriam Stolz vom ÖKT für Ihre Bereitwilligkeit und Effektivität für die Lösung zahlreicher Herausforderungen für die Vorbereitung dieses Abends. 

•          Ich bedanke mich bei  meinen VorstandskollegInnen von Beth Shalom, besonders Frau Gigi Höhn, Maria Drach und Barbara Apelojg, für die technische Unterstützung.

•          Danke an unseren Rabbiner Dr. Tom Kucera der uns durch den Gottesdienst begleitet hat und uns ein großer Lehrer sowie eine Stütze im Gemeindeleben ist.

•          Schließlich danke ich Ihnen allen, dass sie zum Kabbalat Shabbat unserer Liberalen Jüdischen Gemeinde „Beth Shalom“ in München gekommen sind und damit ein deutliches Zeichen der Solidatrität mit dem Liberalen Judentum in Deutschland zeigen!

Ich wünsche Ihnen allen einen guten Heimweg und noch viele beeindruckende Stunden auf dem ÖKT. Nehmen Sie den hoffnungsvollen Geist dieser Tage mit nach Hause. Shalom Ihnen allen!

Thomas M. Y. Dahmen
1. Vorsitzender

Für weitere Informationen:
Thomas Dahmen
0170-2334844
tmyd@gmx.de

16-05-2010

[viele weitere Möglichkeiten zu spenden]

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Gedenken an die Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge

Remembering the Destruction of the Central Synagogue Munich


Die "kleine Torah" kehrt nach Deutschland zurück

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