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Rede von Thomas Dahmen
Erster Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde
München Beth Shalom,
zur Veranstaltung: "Eine Synagoge für München, Deutschland und die
Zukunft"
Am: Mittwoch, den 04. Mai 2011, 18:30
Ort: Jüdisches Museum, Jakobsplatz 16, 80331 München
Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Festgäste,
heute ist ein großer Tag für die liberale jüdische Gemeinde Beth
Shalom und ich freue mich sehr, als Ihr erster Vorsitzender, mich
mit ein paar Worten an Sie, zu wenden.
Die Verwirklichung des Neubaus einer Synagoge für die liberale
jüdische Gemeinde knüpft an die Vergangenheit an, an eine Kultur,
die es so lange nicht mehr gab.
„Sich seiner Vergangenheit bewusst zu sein, heißt Zukunft haben“ –
sagte einmal der österreichische Schriftsteller Hans Lohberger. Und
im Babylonischen Talmud lesen wir: „Die Zukunft hat eine lange
Vergangenheit.“
Wir sind überzeugt, wir haben beides.
Seit etwa 15 Jahren knüpfen wir hier in München an diese vergangene
Tradition des liberalen deutschen Judentums an.
In dieser Zeit haben wir als liberale jüdische Gemeinde hier einen
festen Platz und eine „Heimat“ gefunden – auch in der Münchner
Stadtgesellschaft.
Sehr verehrte Festgäste!
Immer wieder wird folgende Frage gestellt:
Warum ist der Bau einer neuen Synagoge für unsere liberale Gemeinde
von so großer Bedeutung, wenn doch hier am Jakobsplatz vor nunmehr
vier Jahren eine Synagoge und ein neues Jüdisches Gemeindezentrum
errichtet wurde?
Auf diese Frage will ich antworten: Auch wenn wir in München zur
Zeit noch nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, so werden wir
doch als ein unverzichtbarer „Eckstein“ jüdischen Lebens
wahrgenommen und das weit über die Grenzen dieser Stadt hinaus.
Deshalb haben wir ein ehrgeiziges und ein großes Projekt entwickelt:
den Bau einer eigenen Synagoge mit Gemeindezentrum.
Ein Blick in den Tanach / die hebräische Bibel zeigt, dass der Bau
eines G´tteshauses schon in unserer Geschichte nicht immer ganz
leicht war:
Denn bei Naviim (4,11) heißt es: “Sie, die Israeliten haben, wie es
beim Bau des zweiten Tempel geschah, mit der einen Hand den Bau
gefördert und mit der anderen gekämpft, unablässig, gerungen um
Schwierigkeiten und Hindernisse, die sich berghoch ihnen entgegen
türmten hinweg zu räumen und sie sind nicht erlahmt, bis dass sie
gesiegt und das Werk zu Ende geführt haben.“
Wir haben uns heute hier versammelt, um eben diese „berghohen
Schwierigkeiten und Hindernisse“ zu überwinden und nach Lösungen zu
suchen. Vorher wollen auch wir nicht ruhen!
Mit derzeit rund 300 Mitgliedern ist Beth Shalom zahlenmäßig eine
kleine Gemeinde, aber wir wachsen.
Dafür brauchen wir Raum –
Konkret: Räume
Ein weiterer Grund für eine zweite Synagoge ist die Tatsache, dass
heute in München fasst genauso viele Menschen jüdischen Glaubens
leben als vor dem zweiten Weltkrieg. Und bereits vor dem zweiten
Weltkrieg gab es in München nicht nur eine Synagoge und verschiedene
Betsäle.
Ich erinnere daher an die religiös verschieden ausgerichteten
Synagogen in der Westenriederstrasse und in der Herzog-Max-Strasse
oder an die Orthodoxe Religionsgemeinschaft in der Herzog
Rudolf-Strasse und in der Reichenbachstrasse.
Wie viel Bedeutung kommt aber der Tatsache zu, dass niemand
geringerer als der weltbekannte Baumeister und Architekt Daniel
Libeskind für uns die Planung der Synagoge übernommen hat?
Daniel Libeskind steht für eine moderne und visionäre Architektur in
der heutigen Zeit.
Auch wir sehen uns als eine moderne Gemeinde in einer der modernen
deutschen Großstadt.
Von Montesquieu ist der schöne Satz überliefert:
„Ich habe stets beobachtet, dass man um Erfolg zu haben in der Welt
närrisch scheinen und weise sein muss.“
Eine Erfahrung, die ich zutiefst nachempfinden kann.
Daniel Libeskind steht für Erfolg und ich bin sehr dankbar, dass er
für den Neubau unseres Liberalen Jüdischen Gemeindezentrums mit
Synagoge in München zu gewinnen war.
Denn auch für ihn, den Stararchitekten mit Weltruf ist es eine
Herzensangelegenheit, dem liberalen jüdischen Leben wieder zu einer
angemessenen Stäte der Begegnung zu verhelfen.
An dieser Stelle möchte ich auch ein paar Worte über die Kosten
sagen:
Wie hoch die genauen Baukosten sein werden, ist nach dem jetzigen
Planungsstand, aufgrund der unterschiedlichen Raumkonzepte schwer zu
kalkulieren. Eine genaue Kostenkalkulation wird vor Baubeginn
erstellt.
Im Anschluss daran ergibt sich gleich die nächste Frage:
Können wir diese Vision aus eigener Kraft verwirklichen?
Sicherlich nicht alleine.
Der Dialog und das Gespräch mit potentiellen Geldgebern haben
begonnen.
Wir hoffen, dass die Stadt unser Projekt unterstützt, indem sie uns
bei der Überlassung des Grundstücks im Lehel entgegen kommt.
Wir blicken mit Hoffnung und Zuversicht auf die kommenden Gespräche
mit den zuständigen Vertretern der Stadt und mit den Nachbarinnen
und Nachbarn.
Wir hoffen ferner, dass der Freistaat Bayern uns bei diesem Projekt
mindestens genauso unterstützten wird, wie er dies beim Bau von
anderen Synagogen bayernweit bereits getan hat.
Denn die aussagekräftige Geschichte der Münchner Synagogen ist für
München und Bayern von besonderer kulturhistorischer und
architekturgeschichtlicher Bedeutung.
Der Neubau einer Synagoge nach den Plänen von Daniel Libeskind
knüpft an diese kulturgeschichtliche Tradition an.
Sehr geehrte Festgäste und Freunde,
lassen Sie sich begeistern, unser Projekt mit zu unterstützen, denn
nur zusammen sind wir stark und erfolgreich und haben die
einzigartige, historische Chance, mit einer neuen liberalen Synagoge
Münchner Stadtgeschichte zu schreiben.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse.
Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend und alles Gute!
Fotos: © F.Werners/Beth Shalom

Daniel Libeskind in München

Thomas Dahmen, erster Vorsitzender von Beth Shalom
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