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Artikel vom 09.03.2010
Synagoge im Lehel:
Plan steht, Geld fehlt
Bürgerfest am Sonntag informiert über Synagoge im Lehel
Lehel · Das Vorhaben der liberalen jüdischen Gemeinde
Beth Shalom, im Lehel eine Synagoge zu errichten, nimmt konkrete Formen an:
Stararchitekt Daniel Libeskind hat bereits einen Entwurf für das Gotteshaus
gezeichnet. In wenigen Wochen will die Gemeinde für den Bau einen Vorbescheid
bei der Stadt beantragen. Die Anwohner haben am
Sonntag, 14. März, bei einem
Bürgerfest Gelegenheit, sich über die Pläne zu informieren und können auf der
Einwohnerversammlung am 13. April über das Projekt abstimmen.
Seit vergangenem Oktober ist es offiziell: Beth Shalom will
seine Gottesdienste nicht länger in dem Keller in der Isartalstraße abhalten,
sondern auf dem Grundstück Am Gries eine eigene Synagoge bauen. Nun ist das
Projekt einen entscheidenden Schritt weiter. Der berühmte New Yorker Architekt
Daniel Libeskind, der unter anderem das jüdische Museum in Berlin geschaffen
hat, hat eine Skizze und einen Bauplan für das Gebäude erstellt. »Damit haben
wir nun die Voraussetzungen, um beim Baureferat den Antrag für einen Vorbescheid
zu stellen«, sagt Terry Swartzberg, Sprecher von Beth Shalom.
Sobald die Mitglieder der Gemeinde den Entwurf abgesegnet
haben, soll das Gesuch bei der Behörde eingereicht werden. »Ich gehe davon aus,
dass es in etwa zwei Wochen soweit sein wird«, so Swartzberg. Das Baureferat
muss dann prüfen, ob die Pläne von Libeskind rechtlich zulässig sind. Dies ist
bislang unklar, da auf dem Grundstück nur Wohnbebauung erlaubt ist. »In
Teilbereichen ist die Fläche aber auch gewerblich nutzbar«, sagt
Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker, dessen Partei sich auf ihrer jüngsten
Stadtversammlung geschlossen
für das Projekt ausgesprochen hat. Ob dort auch
religiöse Aktivitäten stattfinden dürfen, wird die Behörde innerhalb der
kommenden drei Monate klären. »Sollte dies nicht den Vorschriften entsprechen,
müsste der Bebauungsplan geändert werden«, erklärt Benker. Das würde jedoch
mehrere Jahre dauern.
Doch selbst wenn das Baureferat den Vorbescheid erteilt,
muss die größte Hürde erst noch genommen werden. Für den Bauantrag muss Beth Shalom nämlich eine solide Finanzierung nachweisen. Bislang hofft die Gemeinde
auf Mittel vom Freistaat. Am 25. März treffen sich Vertreter der liberalen Juden
daher mit Kultusminister Ludwig Spaenle. Fördergelder aus dem Fonds für
israelitische Gemeinden wurden bereits beantragt. Gewährt wurden laut Ludwig
Unger, Sprecher des Ministeriums, jedoch nur rund 60.000 Euro – für das etwa elf
Millionen Euro teure Vorhaben ein Tropfen auf den heißen Stein. Zwar könnten für derartige Einzelprojekte zusätzliche Gelder
vergeben werden, erklärt Unger. »Die Höhe des Betrags aber richtet sich nach der
Anzahl der Mitglieder«, räumt er ein. Nachdem Beth Shalom nur rund 300 Gläubige
vereinige, sei nicht mit großen Summen zu rechnen.
Wer mehr über den aktuellen
Stand des Projekts erfahren will, kann am 14. März ab 15 Uhr zum Bürgerfest der
Gemeinde in den Festsaal im Haus Alt-Lehel in der Christophstraße 12 kommen. Der
Rabbiner Tom Kucera hält einen Vortrag über das liberale Judentum, außerdem gibt
es Live-Musik, Kaffee und Kuchen. Auf der Einwohnerversammlung am 14. April um
19 Uhr in der Lukaskirche am Mariannenplatz können die Bewohner aus Altstadt und
Lehel darüber abstimmen, ob sie den Bau der Synagoge befürworten. |