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Gedenkveranstaltung - 60 Jahre nach der Zerstörung der
Münchner Hauptsynagoge im Juni 1938:
Sich erinnern und neu bauen
Der Stürmer
titelt am
26.Juni 1938:
Vor 60 Jahren wurde auf persönlichen Befehl von Adolf Hitler die Münchner
Hauptsynagoge zerstört.
Der Abriß begann am 9.
Juni; nach einigen Tagen war die 1887 errichtete liberale Synagoge in der
Herzog-Max-Straße verschwunden.
Damit begann das Schlußkapitel der Naziverfolgung:
Wenige Monate später wurden in der Pogromnacht auch die beiden kleineren, orthodoxen
Synagogen Ohel Jacob und Reichenbachstraße zerstört, schließlich folgten die
Deportationen in die Todeslager und die Ermordung der meisten Münchner Juden.
Im Gottesdienst am 20. Juni haben wir der
Ereignisse vor 60 Jahren gedacht. Zwei Zeitzeuginnen, ein Beth-Shalom Mitglied, die als
15jährige den Synagogenabriß erlebt hat, sowie eine damals Angestellte der
Musikalienhandlung Jakob, sorgten dafür, daß das Vergangene wieder lebendig wurde.
Im Gottesdienst wurden auch einige Gedanken
über unsere Erinnerung vorgelesen, die uns aus diesem Anlaß Oberrabbiner Dr. Walter
Jacob zugeschickt hat:
"Dies ist
ein Tag der Erinnerung: Wir denken an die große liberale Synagoge, die mitten in München
Jahrzehnte lang stand und 1938 von den Nazis abgerissen wurde. Wie sollen wir uns
erinnern? Erinnerungen spielen eine große Rolle im Judentum. Wir sehen das am klarsten an
unserem Neujahrsfest. In der Mitte des heiligsten Tages beten wir drei besondere poetische
Gebete - Malchujot, Sichronot und Schofarot: ein Dankgebet für die Gaben des herrlichen
Gottes, ein Gebet der Erinnerung, und ein Gebet der Hoffnung auf die messianische Zukunft.
Für uns ist die Erinnerung immer eine Stufe auf dem Weg zu
dem Königreich Gottes. Die Vergangenheit war oft schwer und im Nazi-Deutschland
fürchterlich. Wir erinnern uns trotzdem mit Hoffnung, der Hoffnung auf eine bessere
Zukunft - für uns und für die ganze Welt.
Auch an diesem Tag, der uns an die Shoah erinnert, beten wir
nicht nur das Kaddisch für die Ermordeten. Wir trauern, aber hoffen auch. Wir schauen
zurück, aber auch vorwärts. Hier in dieser Stadt haben wir wieder erbaut - und werden
weiter bauen - ein Judentum, ein liberales Judentum, das eine Rolle im öffentlichen Leben
dieser Stadt spielen wird und das mit den anderen Weltreligionen die Menschheit vorwärts
bringt.
Das ist auch der letzte Gedanke des Kaddisch-Gebetes. Wir hoffen auf Frieden für
uns und die ganze Welt.
Wir werden an dieser Arbeit teilnehmen.
Hier werden wir uns
erinnern und, wenn auch vorerst nur symbolisch, die Synagoge des liberalen Judentums neu
erbauen."
Rabbiner Dr. Walter Jacob
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