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Nicht nur Beth Shalom München, das
gesamte Liberale Judentum in Deutschland darf mit Stolz zurückschauen auf
sein fünfjähriges Jubiläum.
Die Beteiligung der Mitglieder an der
Organisation und an der Feier selbst war beeindruckend: die Hebräischkenntnis
hat zugenommen und zeigte sich beim mitbeten und mitsingen, und vor allem aus
der Tatsache, daß nicht weniger als neun Mitglieder selbst aus der Tora
gelajnt haben.
Oskar Salomo, unser unlängst geborenes jüngstes Mitglied hat sogar - so
meine ich jedenfalls gehört zu haben - begeistert 'amen' geschrien.
Diese Beteiligung war nicht nur rührend
für mich (ich bin ja bislang nur anderthalb Jahre in München tätig),
sondern auch wichtig, weil im Judentum alle Menschen persönlich zuständig
sind für die Erfüllung der Gebote, und nicht stellvertretend der Rabbiner
oder unsere übrigens vorzügliche Gastkantorin Avitall Gerstetter.
Mein Ziel, nach innen zu wirken, ist
ein wenig konkreter geworden: nur wenn wir Kraft und Selbstbewusstsein
entwickeln, werden wir stärker nach außen wirken können. Dazu werden wir
sicherlich in den nächsten Jahren auch
Gelegenheit haben. Inzwischen sollten wir uns gestützt wissen von den fünf
Quellen des Liberalen Judentums:
- Israel als Bezugspunkt unserer
Jahrtausende alten Tradition, der
lebendigen Gegenwart und der messianischen Zukunftshoffnung;
- Deutschland mit seinem
fast zwei Jahrhunderte alten Liberalen Judentum;
- Großbritannien, das Land, in
dem unmittelbar nach der Schoa der
führende deutsche liberale Rabbiner Leo Baeck das moderne Judentum
mit
einem neuem Seminar kontinuierte;
- Amerika, das Land, in dem das
liberale und konservative Judentum eine sehr lebendige Mehrheit sind;
- und schließlich last but not
least Osteuropa als eine Quelle jüdischer
Spiritualität und Lebensfreude.
Unsere Mitglieder stammen aus allen
diesen Ländern und bereichern unser Judentum und unsere Gemeinde ständig. So
zu sehen bei der Zeitreise nach Ablauf des Schacharitdienstes
und in der Fotoausstellung im Kidduschraum.
Sch'kauch, laßt uns so weitergehen!
Rabbiner Edward van Voolen
Beeindruckende 5-Jahres-Feier
Die Schabbat-Feier zum fünfjährigen
Bestehen von Beth Shalom am 27. Mai 2000 war ein großer Erfolg. Die 140
Besucher, neben Mitgliedern und Freunden von Beth Shalom auch Vertreter aus
Kirche und Politik, feierten unter der Leitung von Rabbiner Edward van Voolen
und Kantorin Avitall Gerstetter aus Berlin einen Gottesdienst, auf den auch größere
und ältere Gemeinden stolz sein könnten.
Dazu haben viele beigetragen, vor allem
aber Beth, Caroline, Laura, Dov, Peter, Steve und Susanna, die eindrucksvoll
das Leinen übernommen haben. Vielen Dank allen, die wochenlang das Ereignis
vorbereitet haben.
Rabbiner van Voolen erinnerte in seiner
Predigt an die fünf Quellen des liberalen Judentums: In Deutschland ist vor
200 Jahren das liberale Judentum entstanden und war bis zur Shoa die prägende
Kraft in den jüdischen Gemeinden; in Großbritannien wurde durch Lehrer aus
Deutschland am Leo Baeck College in London die Ausbildung liberaler Rabbiner
fortgesetzt, in Amerika entwickelt sich das progressive Judentum in einer
offenen Gemeinschaft ständig fort; in Israel liegt der Bezugspunkt der
Jahrtausende alten Tradition, der lebendigen Gegenwart und der
Zukunftshoffnung; Osteuropa ist die Quelle der chassidischen Spiritualität
und Lebensfreude.
Zu unserer großen Freude kamen auch
die Gründer der Gemeinde, Susan und George Stein mit ihrer Tochter Julie aus
den USA zur Feier. Im Anschluss an den Gottesdienst beteiligten sie sich
zusammen mit vielen anderen an eine "Zeitreise" zu den Anfängen von
Beth Shalom: Berichtet wurde von den von Dr. Bernstein geleiteten Feiern in
der Chapel der US-Streitkräfte in den 80er Jahren, von ersten von jüdischen
StudentInnen durchgeführten egalitären Gottesdiensten in der IKG München,
die nach kurzer Zeit unterbunden wurden, von der englisch-sprachigen jüdischen
"Sonntagsschule" und der "Munich Jewish Support Group",
die Familie Stein Anfang der 90er Jahre ins Leben gerufen haben, sowie von der
1995 erfolgten Gemeindegründung und deren Entwicklung zu einer voll
funktionsfähigen jüdischen Gemeinde mit einem reichen religiösen Leben und
einem eigenen Rabbiner.
Dabei wurde das Engagement vieler
Menschen unterschiedlicher Herkunft und Ausrichtung sichtbar, das zur
Wiedergeburt des liberalen Judentums in München und an anderen Orten in
Deutschland geführt hat. Dies belegte auch eine Ausstellung mit Fotos,
Dokumenten und Presseausschnitten in den Räumen der Beth-Shalom-Synagoge.
Jan Mühlstein
2. Vorsitzender
Auszüge aus den Grußworten
von Rabbiner Block und Rabbiner Jacob:
"It is with the greatest of pride
and pleasure that I offer my personal congratulations and those of the World
Union for Progressive Judaism upon the celebration of Beth Shalom's 5th
anniversary. The founding, development, and flourishing of Beth Shalom is a
tremendous source of pride to all of us and constitutes a major contribution
to the development of Progressive Judaism in Munich, in Bavaria, and in
Germany as a whole.
Your devoted leadership and service to
the entire Jewish community is truly inspiring. My participation in Rabbi
Edward Van Voolen's service of installation and the weekend of events in
Munich last fall left me with very warm memories of Your congregation. I
look forward to other opportunities to be with you in the future. In the
meanwhile, please convey my warmest good wishes to the congregation on this
milestone anniversary.
May you all go from strength to strength.
L'shalom u'veracha -
Rabbi Richard A. Block
President of the World Union
for Progressive Judaism, Jerusalem
"(...) It is wonderful that You
have done so well during these five years. You have certainly accomplished a
lot not only in establishing Your fine and strong congregation, but also
setting a pattern for other congregations.
The struggle You have waged to
establish Yourself and the persistence and dedication that You have shown
through these years are remarkable. In addition to that, You have offered a
great deal on a high intellectual level through the various symposia which You
have sponsored over the years. Congregations much larger and much better
established in other places in the world would be proud of Your record.(...)"
Rabbiner Walter Jacob,
Pittsburgh
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