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An Rosch HaSchana und Jom Kippur versuchen wir wieder, uns bewusst zu werden, welche grossen Aufgaben wir als Menschheit haben: die Verantwortung für Welt und Umwelt, für uns selbst und unsere Mitmenschen.
Unsere Tradition hat uns dazu Leitfaden gegeben, die aber kontrovers diskutiert werden. Wie weit geht unsere Verantwortung? Anders gesagt: welche Aufgaben haben wir eigentlich als religiöse Menschen? Die Vereinten Nationen haben führende religiöse Menschen aus der ganzen Welt
nach New York mit genau dieser Frage eingeladen. Inwieweit können die Weltreligionen tatsächlich ein Beitrag zum Weltfrieden, zu mehr Gerechtigkeit und Toleranz zwischen Menschen liefern?
In den Medien erfahren wir leider allzu oft, wie Rechtsradikalismus, religiöser Fanatismus und Fundamentalismus die Zeilen beherrschen: in Irland oder Indonesien, in Irak oder Tschetschenien, oder ganz einfach hier in Deutschland. Zu oft hören wir aber auch in unseren Kreisen Äusserungen, die kaum von Toleranz gegenüber den eigenen jüdischen Mitmenschen hierzulande oder gegenüber den Palästinensern in Israel zeugen.
Extremismus beschränkt sich nicht:
er ist eine verheerende Krankheit.
Die Hohen Feiertage und das sich daran anschliessende
Sukoth zeugen dagegen von Universalismus und Humanismus, beides Qualitäten, die unser Leben entscheidend beeinflussen können. Aber es steht fest, daß es so einfach nicht ist, die Fenster zu öffnen und nach draussen zu schauen: es ist nicht immer leicht, andere Auffassungen wirklich ernst zu nehmen.
Es ist schwierig 'bei sich zu bleiben', sich zu Hause und vertraut in der eigenen Tradition zu wissen und gleichzeitig weltoffen zu sein. Genau damit beschäftigen wir uns aber in den nächsten Wochen. Die Feiertage stellen Scheinsicherheiten in Frage und beziehen sich auf eine der Hauptfragen im Leben: Wie gehen wir mit unseren Verantwortlichkeiten um? Wie benehmen wir uns dem Mitmenschen und der Welt gegenüber? Nicht die grosse Änderung, aber der erste kleine Schritt ist wichtig.
Schanah towah umetukah
Ein gutes und süßes neues Jahr
wünscht Ihnen
Rabbiner Edward van Voolen
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