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Rundbrief - September – Oktober 2001

Tischri – Cheschwan 5762:
Gegen seelisches Übergewicht

Wie oft finden sich auf Einladung, die man aus irgendeinem Anlass bekommt, die wichtigen Worte "Für leibliches Wohl wird gesorgt". Und wie selten die noch wichtigeren Worte "Für seelisches Wohl wird auch gesorgt"?

Wir leben in einer Welt, in der Körper sehr wichtig sind - und Seelen scheinen manchmal weniger Bedeutung zu haben. Geld und physische "Dinge", die man messen und zählen kann, sind in unserm Beruf, in unserer Gesellschaft, die einzigen wertvollen Posten der Bilanz. Wir wissen aber, dass es andere Werte gibt, die nicht physisch, nicht so einfach zu messen oder zu zählen sind, wie Zeit, Liebe, Geduld und Ruhe, die auch wichtig sein sollten.

Es ist aber nicht einfach, Qualität in unser Leben zu bringen, statt rein Quantität. Deswegen braucht man eine besondere Zeit, daran zu denken: an die inneren und nicht äußeren Probleme, an die eigenen Wünsche und Fehler, Hoffnungen und Ängste.

Die Hohe Feiertagen sind in unserem Kalender dafür reserviert. Es ist nicht so schwierig, wie so viele Leute denken! An Rosch HaSchana steht der "neue Beginn" im Mittelpunkt. Wir wissen, dass jedes Jahr etwas neues bringt, sogar jeder Tag, aber auch jeder Teil des Lebens. Um neu beginnen zu können, müssen wir aber überlegen: Wo sind wir, warum sind wir hier, was sollen wir tun? Wichtige Fragen, in einer Liturgie zusammengefasst.

Zehn Tage später – also nach einer Zeitspanne, in der wir uns mit diesen Fragen beschäftigen konnten - kommt mit Jom Kippur ein Selbstreinigungsprozess: Ein Tag, an dem wir nichts anderes zu tun haben, als einen kurzen Urlaub von unserem 'normalen' Leben zu nehmen, um an Fragen von Leben und Tod - von innerem Leben und innerem Tod – zu denken. Ein Tag des Fastens und Betens hilft nicht, um körperliches Übergewicht zu verlieren, aber seelische Überlast kann es sicher mindern.

Viel mehr kann man, soll man nicht erwarten. Aber: ist das nicht schon Wunder genug?

Ich wünsche allen ein GUTES Jahr - "Schana Towa". Und was "gut" heißt, das muss jeder für sich selbst definieren.

Rabbiner Walter Rothschild

Gedenken an die Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge

Remembering the Destruction of the Central Synagogue Munich


Die "kleine Torah" kehrt nach Deutschland zurück

Rabbiner Ordination

Jüdische Weisheit

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