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Rundbrief - November – Dezember 2001
Cheschwan – Tewet 5762

Chanukka:
Ein Fest nicht nur für die Kinder

Der Redaktionsschluss zwingt mich, diese Zeilen über Chanuka schon einige Wochen vor dem Fest zu schreiben. Vieles kann noch passieren - die Welt steht im Krieg gegen Terror und Seuchen. Aber bereits jetzt ist uns schon klar, dass in diesem Jahr Chanuka eine andere Feier sein wird, als in den letzten Jahren üblich.

Wieso? Weil wir gerade gelernt haben, wie teuer es sein kann, wenn man vergisst, dass Religion nicht nur für Kinder da ist. Seit Jahrzehnten haben wir unsere Feiertage und unsere Theologie so hingebogen, damit es für die Kinder immer nett sein kann. Und wenn man in den vielen Büchern zum Judentum nachschaut, wird man Chanuka als ein fröhliches Fest finden, mit Kerzen, Sufganiot, Dreidel, Schokolade-Geld, Latkes in Öl und ähnlichem mehr.

Ja – das alles trifft zu, aber Chanuka ist mehr, viel mehr. Bei diesen Feiertagen geht es um Freiheit - religiöse und politische. Es geht um Widerstand und Krieg, um Bereitschaft zum Selbstopfer (sogar, in einigen grausamen Geschichten in die Makkabäerbüchern, um Eltern, die stolz sind, dass ihre Söhne zur Märtyrern werden, um Selbstmordattentate auf einen gepanzerten Kriegselefanten), um Aufstand und Bürgerkrieg in einen Berglandschaft, um Koalitionen mit anderen Mächten, um Belagerung einer Hauptstadt, um Eroberung, um Zerstörung von religiösen Symbolen der anderen.......

Manchmal hat man das Gefühl, es ist mehr makaber als Makkabäer. Die Makkabäerbücher sind nicht in der Bibel zu finden, sondern in den "Apokryphen" - ‘extra’ oder ‘zusätzliche’ und ‘nicht-göttlich-inspirierte’ Bücher. Es gibt deren sogar vier, von den eigentlich nur die ersten zwei richtig relevant sind. Es lohnt sich aber diese Bücher, wenn man sie in den christlichen Bibeln findet, zu lesen. Aber nicht mit den Kindern, bitte........

Wir werden feiern. Warum? Wir werden feiern, weil wir einen Sieg zu feiern haben. Einen Sieg vor mehr als 2.200 Jahren. Unsere Tradition, unsere Religion und Kultur sowie unsere politische Identität wurden bedroht. Der Tempel - geschändet; ein "Persönlichkeitskult" wurde eingeführt; wir waren besetzt und unterdrückt. Und einige waren bereit, dagegen zu kämpfen und den Preis dafür zu bezahlen. Sie haben - endlich, nach vielen Schwierigkeiten und nach viel Blut - gesiegt. Ihre Gegner (nicht nur Fremde und Großmächte, sondern auch andere Juden) haben sie beseitigt, erledigt. Ihren Kultus haben sie wieder eingeführt, wieder aufgebaut.

Die Tradition - aber nicht die Makkabäerbücher selber – berichtet über ein Wunder. Eine kleine Menge Öl brachte viel Licht hervor. Eine kleine Flasche reichte für ein Feuer, das mehr Ausdauer, mehr Kraft hatte, als man erwarten konnte. Noch ein Wunder - und darüber lesen wir in dem Gebet "Al HaNissim" - war, dass Gott "die Starken in die Hände der Schwachen gegeben und die Menge in die Hände der Minderheit"; die Starken würden von den kleinen Schwachen besiegt (siehe ‘Seder Hatefilot’ S. 199.).

Was können wir daraus heute lernen? Auf welchen Seite sind wir in dem gegenwärtigen Konflikt? Sind wir Opfer oder Besetzer oder Sieger? Sind wir die "Starken" mit viel Technologie, oder die "Schwachen" mit viel Mut ? Wie bereit werden wir sein, uns selbst aus so einem Grund zu opfern ?

Es geht hier um so viele Fragen - schwierige Fragen, Fragen zum Kopfzerbrechen. Religion ist nicht nur für Kinder, und gerade jetzt haben wir es wieder erfahren, was passieren kann, wenn auch Erwachsene ihre Traditionen ernst nehmen.

Denke daran, wenn wir leckere Sufganiot essen und "Ma’oz Tzur" singen werden...............

Rabbiner Walter Rothschild

Baum des Lebens / Tree of Life

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Gedenken an die Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge

Remembering the Destruction of the Central Synagogue Munich

Rabbiner Ordination

Die "kleine Torah" kehrt nach Deutschland zurück

Jüdische Weisheit

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