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Es gibt Jahre, in denen man sagt: Die Hohen
Feiertage sind aber früh in diesem Jahr! Aber eigentlich ist das falsch. Die
Hohen Feiertage kommen immer zur gleichen Zeit, Rosch Haschana beginnt immer am
1. des Monats Tischri. Dieses Jahr könnten wir stattdessen sagen: Der August
kommt spät! Das heißt: Kaum das der September beginnt, werden wir uns in der
spirituellen Verwirrung der Hohen Feiertage befinden. Rosh Haschana, die Zehn
Busstage und Jom Kippur (und natürlich auch Sukkot und Simchat Torah).
Wirklich - nicht viel Zeit! Und trotzdem müssen wir für diese Zeit fertig
sein. Vorbereitet! Soweit wie möglich.
Was heißt sich vorbereiten ? Nicht nur die organisatorische Seite wie
Karten, Gebetbücher etc. und nicht nur die soziale Seite wie Essen planen
und, wenn nötig, Übernachtungen organisieren müssen erledigt werden, sondern
vorbereiten heißt auch, sich seelisch umzustellen, damit man wirklich diese
wichtige Zeit richtig nutzen kann.
Genau wie bei 'normalen' Ferien, sind nicht nur Planen, Buchen und Reisen
wichtig, sondern das eigentliche Ziel ist es, die Möglichkeit zu haben, sich
richtig zu entspannen, wenn man endlich angekommen ist.
Das Ziel für die Hohen Feiertage ist es, sich zu reinigen, sich zu
erfrischen, die Last des vorbeigegangenen Jahres loszuwerden. Was man gesagt
oder getan hat; was man hätte sagen oder tun sollen; was man NICHT getan oder
gesagt hat, aber jetzt rückblickend als wichtig erachtet ....
Jede und Jeder von uns hat sicher eine lange Liste von solchen kleinen
Bagatellen - ich rede hier nicht von schweren, furchtbaren Sünden, aber man
braucht auch Zeit, um diese Sachen zu regeln.
Was heißt "regeln" ? Es gibt zwei, sogar drei Möglichkeiten:
Erstens es gibt die Fehler, die wir gegenüber anderen Menschen begangen
haben.
Kann man die betreffende Person anrufen, einen Brief oder eMail schreiben und
sich entschuldigen? Den Sachschaden zurück erstatten? Es ist nicht immer möglich
aber manchmal doch.
Zweitens es gibt die Fehler gegenüber Gott.
Wir haben vielleicht mehr versprochen als wir schaffen konnten, ob
Synagogenbesuch, Gebet, Tzedaka, Ehrlichkeit, etwas nie zu wiederholen...
Hierfür haben wir die Jom-Kippur-Liturgie, aber alles auf einen Tag zu
konzentrieren, wäre wirklich zu viel. In unserem Machsor stehen viele schöne
Meditationen und Gebete für den ganzen Monat Elul, den Monat vor Rosch Haschana.
Drittens die Fehler gegenüber uns selbst.
Kann ein Person nur das tun, was möglich ist? Raucht man noch immer? Isst man
zu viel? Ist man noch immer zu gespannt oder zu faul oder unpünktlich
oder....... die Liste ist sicher endlos. Und auch hier kann keiner außer einem
selbst wirklich helfen. Kein Rabbiner oder Kantor, kein Chor, keine Predigt und
kein Gottesdienst man muss für sich selbst Ordnung schaffen.
Also auch wenn August dieses Jahr spät ist kann man ihn trotzdem nutzen.
Lesen, beten, denken, reden, verzeihen und um Verzeihung bitten.
Ich wünsche allen einen erfolgreichen Elul, damit wir gemeinsam Tischri
richtig feiern können.
Schalom und Schana Towa
Rabbiner Walter Rothschild
Hohe Feiertage 5763:
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