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Vor kurzem habe ich
bei einem so genannten Dialog mit einem palästinensischen Vertreter gelitten. Zu
einem echten Dialog kam es nämlich nicht. Trotzdem war es sehr interessant.
Viele kennen die Situation im Nahen Osten überhaupt nicht. Man braucht ein
bisschen Wissen über einige Fakten ein Stück Wahrheit.
Es ist historisch
wahr, dass Arafat die Fatach-Bewegung 1964 gegründet hat also drei
Jahre vor dem Sechs-Tage-Krieg. Wenn man von Israels Schuld redet,
lohnt es sich zu fragen: Welche Teile des Landes genau sind besetzt,
von wem und seit wann? Es ist Fakt, dass Ägypten, Jordanien und Syrien die Teile
des Mandatsgebiets Palästina, die für einen arabischen Staat bestimmt waren,
besetzt haben. Von 1948 bis 1967 fast 20 Jahre lang hat kaum jemand geklagt.
Nur seit Israel in einem defensiven Krieg gegen Jordanien die West-Bank besetzt
hat, heißt es besetztes Gebiet. Für mich ist das merkwürdig.
Es wurde uns gesagt:
Europa ist an allem Schuld, weil die Juden wegen der Schoa Europa verlassen
wollten und sich ein arabisches Land aussuchten. Aber woher stammen all
die sephardischen Juden? Kommen sie nicht aus muslimischen Ländern? Und wenn sie
dort so glücklich waren, warum haben sie alles hinter sich gelassen, um nach
Israel zu kommen?
Es wurde uns gesagt,
Israel hat Teile von Jerusalem nach 1967 besetzt. Auf dem Stadtplan,
der gezeigt wurde, habe ich bemerkt, dass einer dieser Flecken zum
Beispiel das Jüdische Viertel in der Altstadt war! Wo Juden für Jahrhunderte
gelebt haben, bis sie 1948 vertrieben oder getötet worden waren! Keiner wusste
das
Ich zitierte aus den
Torah (ich bin kein Fundamentalist, aber man kann und soll den eigenen Text
kennen), dass Abraham die Grabstelle für seine Frau von einem Hethiter gekauft
hat. Da kam plötzlich die Entgegnung: Wir sind alle Söhne Abrahams
deswegen haben wir Muslime auch einen Teil des Erbes. Interessant. Ich
musste leider sagen, dass Abraham dieses Stück Land für Sarah gekauft hat, nicht
für Hagar, dass Itzhak dort liegt, nicht Ishmael.
Ich fand es
aufschlussreich. Wenn es passt, sollen die Juden ihr Erbe mit den Muslimen
teilen, als Brüder. Und umgekehrt?! Wir stehen vor einer sehr interessanten
Periode in der Weltgeschichte. Es wird nicht einfach sein. Es gibt
fundamentalistische Juden, Christen und Muslime. Obwohl wir (leider) einige
Ausnahme kennen, sind im Prinzip auch die fundamentalistischen Juden bereit, mit
anderen zu leben das heißt, sie versuchen nicht, die ganze Welt jüdisch zu
machen. Im Prinzip erwarten die fundamentalistischen Christen (und sie hoffen
darauf) einen Endkrieg zwischen einem Messias und dem Bösen und danach werden
alle Überlebenden Christen sein. Und die muslimischen Fundamentalisten hoffen
auf eine muslimische Welt, in der alle Muslime sein sollen. Und die Liberalen
in allen Gruppierungen verstehen diese Bedrohungen noch nicht. Wir glauben
noch immer, dass die Menschen rational, tolerant und intelligent sind wie wir.
Wahrheit ist nicht
bequem; aber genau deswegen ist sie so wichtig. Nicht nur im Nahen Osten, aber
für uns besonders dort. Fakten und Wissen sind eine gute Impfung gegen Lügen
und Unwissen. Emet wezedek ist ein Begriff Wahrheit und
Gerechtigkeit. Das eine ist ohne das andere nicht zu denken
Schalom
Rabbiner Walter
Rothschild |