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Nachruf auf Dr. Werner Simon sel. A.
Am 8.
Februar verstarb unser Gemeindemitglied Dr. Werner Simon im Alter von 83 Jahren.
Er wurde im jüdischen Teil des Waldfriedhofs in München beigesetzt.
Werner Simon war einer der
wenigen Mitglieder unserer Gemeinde, die jüdisches Leben im Vorkriegsdeutschland
bewusst erlebten und tief verwurzelt in dieser Tradition aufwuchsen. Er konnte
gut zuhören und vermitteln, war sensibel für die Bedürfnisse anderer und hatte
immer ein offenes Ohr. Im Umgang mit seinen eigenen Leiden und bei
Schwierigkeiten anderer blieb er ruhig, ausgeglichen und rational. Er war vielen
ein guter und zuverlässiger Freund.
Simon Werner wuchs in
Berlin als einziges Kind eines Textilhändlers in orthodoxer Tradition auf.
Glühender Zionist, der Werner Simon damals war, überzeugte er seine Familie,
1935 nach Israel auszuwandern. Vater und Sohn lernten für die Aliya den
Maurer-Beruf, doch schon bald wurde der Vater arbeitsunfähig und Werner Simon
musste durch seine Arbeit am Bau die Familie ernähren. Fast zehn Jahre kämpfte
er in der englischen Armee und in der Hagana für Israel. Nebenher absolvierte er
ein Fernstudium in Psychologie.
Des Kämpfens müde kehrte
er nach Europa zurück, beendete in Wien sein Psychologiestudium und heiratete.
Nach einem Aufenthalt in Kanada sowie der Promotion und einer Berufstätigkeit in
Wien, kam Simon Werner in den 60er Jahren zu Radio Free Europe nach München. Die
Zeit war für ihn nicht einfach, da er an Krebs erkrankte und seine Ehe
geschieden wurde.
Seine zweite Ehefrau
arbeitete in Wien als Juristin, er weiterhin bei dem Rundfunksender in München.
Als Sohn Michael geboren wurde,
entschied sich Werner Simon zur Frühpensio-nierung und wurde in Wien „Hausmann“,
um seiner Frau die Karriere zu ermöglichen. Erst als Michael alt genug war,
kehrte Werner Simon nach München zurück. Hier fühlte er sich in der Loge zu
Hause und fand später auch in der liberalen jüdischen Gemeinde Beth Shalom
Freunde.
Werner Simon betrachtete
sich selbst als Freigeist und Rationalist, mit der Religion seiner Jugend konnte
er wenig anfangen. Dennoch bewegte er sich im Alter zurück zu seinen Wurzeln. Er
wurde aktives und ob seiner Erfahrung und Abgeklärtheit geschätztes Mitglied von
Beth Shalom. Bis zuletzt war ihm die aktive Teilnahme am Leben und am
Gemeindeleben möglich.
An seinem letzten
Gottesdienstbesuch im Januar 2003 freute er sich bei der Lesung der Parascha
Beschalach Schemot 17:11-12: „Und es geschah so wie Mosche seine Hand hob
obsiegte Israel und so wie er seine Hand ruhen ließ, obsiegte Amalek... Und
Aaron und Hur fassten seine Hände, hier einer und dort einer, und seine Hände
blieben aufrecht bis zum Sonnenuntergang“, dass er genau von dieser Szene eine
Chagallzeichnung besaß.
Möge seine Seele
gebündelt sein
in den Bund des ewigen Lebens. |