Chanukah:
An alte Zeiten denkenRabbiner Walter Rothschild
Wenn man darüber nachdenkt, ist Chanukah ein sehr
zionistisches Fest. Die frommen Juden in Israel haben für ihre Religion und ihre
Freiheit gekämpft. An Purim sind es assimilierte Juden in
„Ganz-weit-weg“-Persien, an die wir uns erinnern. An Chanukah geht es um
Jerusalem und um die Zerstörung von Götzenbildern. Und danach, wenn man in dem
zweiten Makkabäerbuch weiter liest, um die militärische Rettung der
unterdrückten und bedrohten jüdischen Bewohner in Nachbarländern. Das klingt
sehr aktuell.
Die Zeiten sind immer schwer gewesen. Es gab immer viel
Finsternis in unserer Welt. Politisch und spirituell. Manchmal hat man das
Gefühl, ein Licht hat nur den Effekt, die Finsternis der Umgebung noch dunkler
zu machen. Und trotzdem soll man Lichter zünden, soll man in dunklen, kalten
Stunden an bessere Zeiten denken, soll man essen und singen und sich freuen,
dass wir frei sind, das zu tun.
Chanukah ist mehr als Sufganiot und Kerzen. Wir können und
sollen das Fest genießen. Aber hinter diesem Fest liegt sehr viel mehr. Es ist
wichtig, daran zu denken. Weil die Zeiten schwer bleiben, und die Finsternis wie
immer droht.
Und eine weitere Frage für Chanukah. Glauben wir noch an
Wunder? Es gibt die Geschichte von einem Wunder – dass man mit sehr wenig Öl
eine Extra-Woche lang auskommen konnte. So einfach ist das Leben nicht. Können
wir als Erwachsene, zynisch, wie wir sind, an solche Geschichten glauben?
Wir müssen nicht. Es gibt in moderneren Zeiten Wunder
genug, in jedem Leben gibt es Wunder genug. Aber an acht Abenden an die alten
Zeiten zu denken und daran, wie schwierig das Leben für Juden auch damals war,
kann uns vielleicht ein wenig Hoffnung für die Gegenwart geben. Es ist keine
Frage, ob man an Wunder glauben kann. Wie der alte Witze sagt: Man MUSS heute an
Wunder glauben, um ein Realist zu sein.
Schalom, Rabbiner Walter Rothschild |