Rundbrief
Liberale jüdische Gemeinde München Beth Shalom
Mai – Juli 2004 • 5764 Iar-Av
 

 

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Identität

Rabbiner Walter Rothschild

Was macht einen Menschen zu einem Juden oder zu einer Jüdin? Was gibt uns unsere eigene Identität – eine Identität, mit der einige geboren sind und die andere auf sich nehmen möchten? (Ich gehe davon aus, dass dies möglich ist, obwohl es Stimmen gibt, die sagen: Juden müssen als Juden geboren sein. Aber aus unserer Tradition wissen wir, dass es immer Menschen gab, die ihr Schicksal mit dem der Juden verbunden haben, und Maimonides hat sehr positiv darüber gesprochen). Es gibt, natürlich, mehrere Faktoren. Einige davon sind: Gebete, Gesetze und Geschichte.

In den bevorstehenden Sommermonaten gibt es mehrere Anlässe, darüber nachzudenken. Zwei wichtige Tage sind Schawuot und Tischa B'Aw.

Mit Schawuot endet die rätselhafte Omer-Zeit – rätselhaft, weil nicht erklärt wird, warum wir die Tage zählen sollen und wie es kommt, dass einige traurige Begebenheiten mit dieser Periode verbunden sind. Schawuot dagegen ist klar: Wir erinnern uns, dass es wenigstens in unserer jüdischen Welt Regeln gibt, die ausführen, wie Menschen miteinander leben und wie sie Gott verehren sollen. Leider, muss ich sagen, zeigt die Welt wenig Verständnis für solche Konzepte. Gewalt im Namen von Gier wird manchmal mit Gewalt im Namen Gottes kombiniert.

An Shawuot aber lernen wir Juden wieder, wie Gott dem Volk Gesetze gegeben hat und auch das Verständnis dafür. (Nach der rabbinischen Tradition gab es zur gleichen Zeit eine mündliche Torah, Auslegung und Interpretationen, die sich entwickeln konnten. Liberales Judentum steht in dieser Tradition.)

Mit Gebeten und Lernen werden wir Schawuot feiern. Es wird dieses Jahr am Dienstagabend, den 25. Mai stattfinden, und alle Gemeindemitglieder sind herzlich eingeladen.

Tischa B'Aw gedenken wir am 27. Juli. Ein trauriger Tag in der jüdischen Geschichte. Und unsere Geschichte kennt viele Tragödien mit vielen Katastrophen, Pogromen, Vertreibungen und Zerstörungen – nicht nur aus der fernen Vergangenheit. Diejenigen, die jüdisch bleiben oder jüdisch werden möchten, müssen irgendwie mit dieser Geschichte zurechtkommen. Tischa B'Aw ist ein Tag mit Fasten, Gedenken und Trauern. Das ist nicht viel, und man kann es auch allein und zu Hause tun.

Das Judentum kennt Freude und Trauer, die Regeln des Lebens und das Chaos des Todes. Beide Seiten gehören zu unserer jüdischen Identität.

Schalom, Rabbiner Walter Rothschild

Gedenken an die Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge

Remembering the Destruction of the Central Synagogue Munich


Die "kleine Torah" kehrt nach Deutschland zurück

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