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Identität Rabbiner Walter Rothschild
Was macht einen Menschen zu einem Juden oder zu einer
Jüdin? Was gibt uns unsere eigene Identität – eine Identität, mit der einige
geboren sind und die andere auf sich nehmen möchten? (Ich gehe davon aus, dass
dies möglich ist, obwohl es Stimmen gibt, die sagen: Juden müssen als Juden
geboren sein. Aber aus unserer Tradition wissen wir, dass es immer Menschen gab,
die ihr Schicksal mit dem der Juden verbunden haben, und Maimonides hat sehr
positiv darüber gesprochen). Es gibt, natürlich, mehrere Faktoren. Einige davon
sind: Gebete, Gesetze und Geschichte.
In den bevorstehenden Sommermonaten gibt es mehrere
Anlässe, darüber nachzudenken. Zwei wichtige Tage sind Schawuot und Tischa B'Aw.
Mit Schawuot endet die rätselhafte Omer-Zeit – rätselhaft,
weil nicht erklärt wird, warum wir die Tage zählen sollen und wie es kommt, dass
einige traurige Begebenheiten mit dieser Periode verbunden sind. Schawuot
dagegen ist klar: Wir erinnern uns, dass es wenigstens in unserer jüdischen Welt
Regeln gibt, die ausführen, wie Menschen miteinander leben und wie sie Gott
verehren sollen. Leider, muss ich sagen, zeigt die Welt wenig Verständnis für
solche Konzepte. Gewalt im Namen von Gier wird manchmal mit Gewalt im Namen
Gottes kombiniert.
An Shawuot aber lernen wir Juden wieder, wie Gott dem Volk
Gesetze gegeben hat und auch das Verständnis dafür. (Nach der rabbinischen
Tradition gab es zur gleichen Zeit eine mündliche Torah, Auslegung und
Interpretationen, die sich entwickeln konnten. Liberales Judentum steht in
dieser Tradition.)
Mit Gebeten und Lernen werden wir Schawuot feiern. Es wird
dieses Jahr am Dienstagabend, den 25. Mai stattfinden, und alle
Gemeindemitglieder sind herzlich eingeladen.
Tischa B'Aw gedenken wir am 27. Juli. Ein trauriger Tag in
der jüdischen Geschichte. Und unsere Geschichte kennt viele Tragödien mit vielen
Katastrophen, Pogromen, Vertreibungen und Zerstörungen – nicht nur aus der
fernen Vergangenheit. Diejenigen, die jüdisch bleiben oder jüdisch werden
möchten, müssen irgendwie mit dieser Geschichte zurechtkommen. Tischa B'Aw ist
ein Tag mit Fasten, Gedenken und Trauern. Das ist nicht viel, und man kann es
auch allein und zu Hause tun.
Das Judentum kennt Freude und Trauer, die Regeln des Lebens
und das Chaos des Todes. Beide Seiten gehören zu unserer jüdischen Identität.
Schalom, Rabbiner Walter Rothschild |